Olfermannplatz Braunschweig

Der Olfermannplatz befindet sich im östlichen Ringgebiet gegenüber der St. Paulikirche zwischen Jasperallee und Fasanenstraße. Es ist ein unscheinbarer Platz, da er nicht besonders frequentiert wird und an diesem nicht mehrere Straßen zusammen laufen. Die von ihm abgehende Olfermannstraße bekam ihren Namen 1888. Der Platz dagegen hatte im Jahr 1898 noch keinen Namen und wurde Kaiser-Wilhelm-Platz genannt, wohl aufgrund der Nähe zur Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Jasperallee). Erst im Adressbuch von 1900 erscheint er als Olfermannplatz. Johann Elias Olfermann (1776 Braunschweig – 1822 Blankenburg) war ein Soldat. Zuerst Musikmeister des 90. britischen Infanterieregiments, wurde er später Generalmajor der braunschweigischen Truppen. Er kämpfte unter dem „Schwarzen Herzog“ Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Olfermann wurde Vertrauter des Herzogs, er nahm am 6. November 1813 als dessen Statthalter Braunschweig nach Napoleons Niederlage bei Leipzig wieder in Besitz. Tödlich getroffen bei den Gefechten in Quatre Bras 1815, sollen Friedrich Wilhelms letzte Worte an Major von Wachholtz gewesen sein: „Oh, mein lieber Wachholtz, wo ist Olfermann?“

Olfermann-Denkmal auf dem Nußberg

Das noch heute auf dem Nußberg stehende Olfermann-Denkmal wurde am 18. Oktober 1832 (10. Todestag) eingeweiht. Er hatte sich auch beim Aufbau einer eigenständigen braunschweigischen Armee verdient gemacht und daneben als Gründer der Militär Privat Unterstützungskasse für bedürftige Braunschweiger Soldaten soziales Engagement gezeigt. Postalisch ist der Olfermannplatz keine Adresse, da die angrenzenden Häuser jeweils zur Blücher-, Fasanen- oder Gneisenaustraße gehören. In diesen Häusern wohnten besser gestellte Bürger wie der Herr „Oberschoolrat“ oder der wohlhabende Privatier neben Rechtsanwälten und Selbstständigen. Der Bombenkrieg gegen Braunschweig 1940/45 hinterließ seine Spuren: von den 10 Häusern waren nur 2 leicht beschädigt, die anderen mit teils erheblichen Schäden bis zum Totalschaden versehen. Hier können Sie beim Vergleich der Postkarte und dem Foto von damals zu heute genau sehen, wie der beim Bau reichlich vorhandene Zierrat in Form von Türmchen, Stuck, Bekrönungen etc. verschwand. Weil es nicht mehr zeitgemäß und wohl auch für die allermeisten Eigentümer beim Wiederaufbau zu teuer gewesen ist.

1902 – sehr symmetrisch aufgebauter Platz, die Häuser spiegeln sich.

2019 – der Krieg hinterließ seine Spuren, der Zierrat ist weg.

So ist viel für das Auge verloren gegangen. Aber es regen sich heute wieder Stimmen, die ganze Straßenzüge nach alten Vorbildern neu entstehen lassen wollen. Beispiele für gelungene Wiederherstellung der Ansichten ist der Dresdner Neumarkt oder die neue Altstadt in Frankfurt. Alt konzipierte Fassaden mit moderner Funktion dahinter. In Dresden zielte die Neubebauung, des im 2. Weltkrieg verwüsteten Platzes, auf Rekonstruktion vieler historischer Gebäude im Stile des Dresdner Barocks ab. In Frankfurt entstanden in 6 Jahren bis 2018 35 neue Häuser mit „alten“ Fassaden, darunter 15 Rekonstruktionen, im Herzen der Metropole. Die neueste Altstadt der Welt, wie der Frankfurter Slogan lautet. Beide Beispiele sind Publikumsmagneten, dieses nicht von ungefähr. Die „modernen“ Architekten haben in ihrer Mehrzahl nicht begriffen, dass der historistische Baustil etwas war, was das Auge der meisten Menschen erfreut und wandern lässt, nicht uniform und kalt, vielleicht am besten umschrieben als romantisierende Wohlfühlarchitektur. Braunschweigs Stadtbaurat Winter (1843–1930) übrigens ließ sich um die Jahrhundertwende alle eingereichten Bauanträge vorlegen, um ein einheitliches Gesicht der „neuen Stadt“ zu erreichen – die überdauerten unbeschädigten Gebäude geben ihm recht. Es wäre mal ein Vorschlag diese Art Architektur vielleicht für die neue Burggasse vorzusehen, so könnte man Menschenströme dahin lenken.

 

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

 

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