Nordstraße Braunschweig

Die Nordstraße ist eine Verbindungsstraße zwischen Mittelweg und Brucknerstraße und liegt im Norden Braunschweigs, daher auch ihr Name, den sie seit 1887 hat. Um dieses Jahr herum wurde die Straße mit Häusern bebaut.  Unsere alte Ansicht ist von 1904, die Querstraße ist die Geysostraße und der Blick geradeaus geht zur Brucknerstraße/Bültenweg. Zwischen der Nordstraße und der nördlich gelegenen parallelen Taubenstraße liegt der Nordbahnhof. Von hier aus wurde der industriereiche Westen der Stadt eisenbahntechnisch erschlossen. 1884 gründeten Kaufleute die private Braunschweigische Landeseisenbahngesellschaft, diese hatte ihren Sitz in der Nordstraße 4 und managte die Bahnstrecke. Aufgrund der Nähe zur Nordstraße ist es kein Wunder, dass hier etliche Mieter Berufe ausübten, die mit der Eisenbahn in Verbindung standen, wie Heizer, Zugführer, Rangiermeister, Lokomotivführer oder Eisenbahnbetriebssekretär. Heute ist im Bahnhofsgebäude das Haus der Kulturen untergebracht.  Handel mit Kohlen, Koks & Co.

In der Nordstraße 12 (3. Gebäude linke Seite) im Parterre hatte der Kohlenhändler Hermann Löhr seine Wohnung und sein Geschäft. Groß- und Kleinhandel mit Kohlen, Koks, Briketts, Torf und Brennholz. Er lieferte seine Kohlen auch an die Eisenbahn und hatte wahrscheinlich einen Zugang vom hinteren Grundstück zu den Gleisen. Es war ein schweißtreibendes Geschäft, Säcke mit Kohlen zu schleppen, je Sack 25–30 kg aufladen, tragen, abladen, da wusste man abends, was man getan hatte. Meist wurde in den Wohnungen der Normalbürger nur die Küche beheizt. Das Wohnzimmer, die sogenannte gute Stube, nur an Feiertagen oder wenn Besuch kam. Wer keine Kohlen hatte saß im Kalten, nix mit Zentralheizung – einmal am Ventil drehen und schon wird es warm. In der Nordstraße 25 wohnte ein Theodor Winterberg, er hatte den Beruf des Fleischbeschauers. Sein Arbeitsplatz war sicher der nah liegende städtische Schlachthof, der auch einen Eingang vom Mittelweg hatte.  Es ist überliefert, dass schon im alten Ägypten die Priester grundsätzlich alle Kühe vor und nach der Opferschlachtung untersuchten. Im Mittelalter gab es in Augsburg eine Fleischordnung, die den Schlachthauszwang und die Untersuchung kranker Tiere regelte. Im Jahre 1822 wurde in Europa erstmalig eine verkalkte Trichine (Fadenwurm) in einem menschlichen Leichnam entdeckt, die wahrscheinlich zur damaligen Zeit durch chinesische Schweine eingeschleppt worden war. Daraufhin wurden in Süddeutschland Fleischbeschauordnungen erlassen. Seit 1900 regelt im Deutschen Reich das Reichs-Fleischbeschaugesetz die flächendeckende Beschau des Fleisches, eine Voraussetzung für unseren unbedenklichen Fleischgenuss.

1904: Die Eckgebäude haben eine besonders schöne Fassadengestaltung.

2018: Das linke Eckgebäude ist 50er Jahre gemäß wieder aufgebaut, das rechte hat Dach und Turm verloren.

Im 2. Weltkrieg wurden in der Nordstraße von 47 Häusern nur 7 völlig zerstört. Wie wir auf der Ansicht von 2018 sehen können, ist das Erscheinungsbild der Straße gut wiederzuerkennen. Nahe der Nordstraße entsteht zur Zeit mit dem Stadtquartier „Nördliches Ringgebiet“ das größte Wohnbauprojekt Braunschweigs seit den 1970er Jahren, es sind bis zu 1.000 neue Wohnungen geplant. Auf der heutigen Ansicht geradezu erblicken wir den Kirchturm des St. Albertus Magnus, der katholischen Pfarr- und Klosterkirche des Braunschweiger Dominikaner Konvents. Deren ursprüngliche Niederlassung, das Paulinerkloster, seit Mitte des 14. Jhdts. am Bohlweg, wurde von den Dominikanern 1548 aufgrund der Reformation in Braunschweig verlassen. Seit 1958 sind sie hier am Ende der Nordstraße wieder in Braunschweig vertreten. Der Namensgeber der Kirche war der Universalgelehrte und Bischof Albertus Magnus (geb. um 1200), auch Albert, der Deutsche genannt. Er wurde von Päpsten selig und heiliggesprochen, als Kirchenlehrer verehrt und starb 1280 in Köln. Viele der sakralen Gegenstände der Kirche sind vom Braunschweiger Künstler Gerd Winner gestaltet

 

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

 

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