Altstadtmarkt Braunschweig

Auf dem Altstadtmarkt befindet sich ein Brunnen, der ursprünglich 1408 hier aufgestellt wurde und ein Kleinod eines spätmittelalterlichen Brunnens darstellt.  Zuvor befand sich auf dem Altstadtmarkt ein hölzerner Ziehbrunnen, der als Jungborn (angelehnt an Jungbrunnen) bezeichnet wurde. Unser spätgotischer Altstadtmarktbrunnen ist heute auch als Marienbrunnen (wegen der sitzenden Marienfigur ganz oben) bekannt. Der Brunnen ist ein 3-Schalen-Brunnen, der sich pyramidenartig Etage für Etage von unten nach oben verjüngt. Gespeist wurde er seinerzeit durch den Jördebrunnen, dieser war ca. 2.000 Meter westlich entfernt. Das Wasser floss unterirdisch über Holzpipen (Leitung) zum Brunnen und in die oberste Schale. Von dort floss es über die jeweils 4 Wasserspeier per Schale in die darunter liegende, um sich dann in steinernen Auffangbecken zu ergießen. Die Schalen sind mit biblischen sowie reichs- und stadtgeschichtlichen Motiven verziert. Die Schrift um die einzelnen Schalen ist mit Ausnahme des letzten Satzes in mittelhochdeutsch verfasst, dieses 1408, wo man in ganz Deutschland noch Latein für Inschriften benutzte.

Schalen aus Blei

Alle Schalen sind aus Blei gefertigt worden, damals ein gängiger und gut zu bearbeitender Werkstoff. Das Blei bringt eine Problematik mit: Durch den Fluss des Wassers lösen sich Teile des Schwermetalls und gelangen so über das Trinkwasser in den Körper des Menschen, wo sie sich ablagern und schwere Organschäden verursachen. Die Römer im Altertum waren da weiter, denn sie wussten um die Gesundheitsgefährdung. Wo immer es möglich war, bevorzugten sie (zum Beispiel in den römisch besetzten Gebieten in Germanien) kalkhaltiges Wasser, da dieses die Bleileitungen, die von ihnen verwandt wurden, mit einer Schicht Kalk bedeckte und so die Gesundheitsgefahr nicht so groß war. Den Menschen des Mittelalters war dieses Wissen so nicht mehr präsent. Während auf dem Land für die Menschen keine Gefahr einer Bleivergiftung bestand, war sie in den Städten umso größer durch solche Brunnen und Münzen, Essgeschirr aus Blei oder mit bunten Glasierungen, in denen Bleioxid enthalten war, Bleiglas und bleihaltigen Dachschindeln, da das Regenwasser oft auch als Trinkwasser diente. All dieses war für die Landbevölkerung viel zu teuer.

1915: Blickrichtung Brabandtstraße, noch vorhanden: die Fachwerkhauszeile am Gewandhaus.

2017: Der Altstadtmarktbrunnen und der Gewandhausgiebel sind die einzigen verbliebenen Bezugspunkte.

Kopie des Brunnens

Der Altstadtmarktbrunnen diente der Bevölkerung und den Marktbesuchern zur Versorgung mit frischem Trinkwasser. Das steinerne achteckige untere Abschlussbecken gibt es erst seit 1847. In den Jahrhunderten seit seiner Entstehung wurde der Brunnen mehrere Mal restauriert und wanderte bei seiner Wiederaufstellung leicht hin und her. Im 2. Weltkrieg wurde er durch Sand und Holzverschalungen gegen die Bomben „geschützt“ und leider nicht, wie der Bronzelöwe vor der Burg Dankwarderode, fortgeschafft. Am 15.Oktober 1944 wurde der Brunnen vom Bombardement getroffen und fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende war von der 2. Schale nur noch ein kleines Stück, die unterste Schale, zu 2/3 erhalten. Bis 1951 wurde der Brunnen saniert und zu über 90 Prozent ergänzt. Die Umwelteinflüsse trugen dazu bei, dass seit 1988 eine vollständige Kopie des Brunnens aufgestellt wurde. Die erhaltenen mittelalterlichen Restteile können im Altstadtrathaus besichtigt werden. Die Ansichtskarte von 1915 ist von der Blickrichtung zur Brabandtstraße selten, meist ist es die Richtung Martinikirche. Die Gebäude unserer Ansicht sind durch Kriegseinwirkung verschwunden, das Eckgebäude zur Poststraße musste dem Karstadt am Gewandhaus weichen. Wo heute die Altstadtmarkt-Apotheke ist, befand sich 1915 die Damenmäntelfabrik A. Graupner. Damenmäntel, so wie wir sie heute kennen, nahmen erst Ende des 19. Jahrhunderts Gestalt an, als die normale Damenkleidung die kolossalen Krinolinen verlor.

 

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

 

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